„Fußball ist kein Sport für Frauen" // "Soccer isn't for women" (DE+ENG)
„Frauenfußball ist langweilig und eigentlich können sie es doch auch gar nicht.“
Davon sind hierzulande viele Männer, aber auch Frauen, überzeugt. Noch bis vor 51 Jahren war diese Ballsportart in Deutschland ausschließlich den Männern vorbehalten.
Heutzutage brüskiert sich der DFB (Deutscher Fußball-Bund) und Fußballdeutschland mit der Frauen-Nationalmannschaft und ihren Erfolgen in internationalen Wettbewerben, doch genießen sie ebenso viel Unterstützung und Ansehen auch außerhalb von EM, WM und den Olympischen Spielen?
Jede siebte Person im DFB ist weiblich, so lautet die Devise im Post des Instagram-Channels der Frauen-Bundesliga zum 8. März diesen Jahres. Auch der Verband ist stolz darauf, dass rund 1,1 Millionen Frauen und Mädchen den Fußball in Deutschland prägen. Nur sieben Tage später sieht die Welt wieder anders aus: Heiko Vogel, der Trainer des Männerteams von Borussia Mönchengladbach II bekam für sein unsportliches Verhalten gegenüber der Schiedsrichter:innen neben der Spielsperre auch ein „Straf“-Training, dass er mit einer Frauenmannschaft ableisten muss. Dass diese Konsequenz für sein Handeln zutiefst diskriminierend und respektlos gegenüber aller Spielerinnen und Athletinnen ist, steht außer Frage, zeigt jedoch auch auf, dass die Frau am Ball auch nach so vielen Jahren noch immer negativ betrachtet wird.
Den langen und harten Weg, den die Fußballspielerinnen und ihre Unterstützer:innen gehen mussten, zeigt die absolut sehenswerte Dokumentation „Der größte Gegner ist das Klischee - 50 Jahre Frauenfußball“ auf. Besonders prägend: 15 Jahre lang war es den Kickerinnen verboten Fußball zu spielen und erst durch Androhung eines eigenen Frauen-Verbandes wieder erlaubt. Seit diesem Zeitpunkt waren sie den Klischees und Stigmatisierungen der Gesellschaft ausgesetzt. Eine respektlose und unsachliche Berichterstattung erhielt dabei eine ebenso große Bühne wie die sexistischen Aussagen der Moderatoren. Die Kickerinnen wurden auf ihr Aussehen reduziert und die Ablehnung gegenüber des Frauenfußballs mit angeblichen biologischen Ursachen legitimiert. Von Förderung und Unterstützung seitens des Verbandes kann nicht die Rede sein.
„Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt.“
Viele Ungleichheiten bleiben auch nach über 70 Jahren noch aktuell - trotz des Olympischen Golds und der acht EM- und zwei WM-Titel der weiblichen Nationalelf. Die Frauenteams sind abhängig von privaten Sponsor:innen, die sich explizit ihnen widmen. Andernfalls erhalten die Spielerinnen, zumindest im Amateurbereich, höchstwahrscheinlich die abgetragene Kleidung der Männermannschaften. Auch im Hinblick auf die Bezahlung kann man sich nur wiederholen: während Profifußballer sehr gut von ihrem Gehalt leben können, müssen Profifußballerinnen bei gleicher Belastung noch einem anderen Job nachgehen, um sowohl während ihrer Sportkarriere als auch nach Ende dieser abgesichert zu sein. Etwas expliziter: Nur sogenannte Top-Spielerinnen verdienen in etwa so viel wie ihr männliches Pendant bereits in der 3. Bundesliga erhält. Zusätzlich dazu gibt es vermarktungstechnischen Nachholbedarf und bei der allgemeinen Zugänglichkeit zum Frauenfußball sowie den sehr seltenen Spielübertragungen im FreeTV. Man erhält beinahe keine Chance die Spiele der Frauen-Bundesliga zu sehen, auch bei den meisten Pay-TV-Sendern sieht das Angebot schlecht aus.
Bei all dem verwundert es nicht, dass ein Training der Frauenmannschaft als Bestrafung angesehen wird, denn wenn wir ehrlich sind, geht es nicht um Frauen an sich, sondern um die Angst die schlechten Stigmata des weiblichen Geschlechts zu übernehmen oder als Mann davon geprägt zu sein.
Verfasserin: Michelle Auerbach
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Die Dokumentation von Jürgen Schmidt wurde am 16.08.2020 in der Sportschau ausgestrahlt und ist in der ARD-Mediathek zu finden:
[English Version]
"Soccer isn't for women"
"Women's soccer is boring and actually they can't do it at all."
Many men, but also women, share this opinion in Germany. Until 51 years ago, this sport was reserved exclusively for men here.
Nowadays, the DFB (German Football Association) snubs themselves with the women's national team and their successes in international competitions, but do they enjoy just as much support and prestige outside the European Championship, World Cup and the Olympic Games?
Every seventh person in the DFB is female, according to a post on the Women's Bundesliga Instagram channel on the 8th of March this year. The federation is also proud that around 1.1 million women and girls shape soccer in Germany. It just took seven days to change: Heiko Vogel, the coach of the men's team of Borussia Mönchengladbach II, was given not only a two-match ban for his unsportsmanlike conduct towards the referees but also a coaching session with the women’s team as a „punishment". There is no question that this consequence for his actions is deeply discriminatory and disrespectful towards all female players and athletes, but it also shows that women playing soccer are still perceived negatively, even after such a long time.
The hard path that female soccer players and their supporters had to take is shown in the documentary „Der größte Gegner ist das Klischee - 50 Jahre Frauenfußball [The biggest opponent is the cliché - 50 years of women's soccer]“, which is absolutely worth seeing. Especially formative: for 15 years, it was forbidden to play soccer for females and they were only allowed to do so again by threatening to form their own women's association. Since then, they have been exposed to society's clichés and stigmatisation. Disrespectful and unobjective reporting was given as much of a space as the sexist statements of the commentators. The kickers were reduced to their appearance and the rejection of women's soccer was legitimised with alleged biological causes. There can be no talk of promotion and support from the federation either.
"We play for a nation that does not know our names."
Many inequalities remain even after more than 70 years - despite the Olympic gold and the eight European Championship and two World Cup titles of the female national team. The women's teams depend on private sponsors who are explicitly dedicated to them. Otherwise, at least at amateur level, they will most likely receive the worn-out clothing of the men's teams. Also regarding to equal pay facing the same workload, one can only repeat oneself: while professional male players can live very well on their salaries, professional female players have to pursue another job in order to be secured both during their sporting career and also after it ends. More explicitly, only so-called top female players earn about as much as their male counterparts already receive in the 3rd Bundesliga. In addition, there is a need to catch up in terms of marketing and in terms of general accessibility to women's soccer as well as the very rare match broadcasts on free TV. One gets almost no chance to see the matches of Women's Bundesliga, and the offer also looks poor on most pay-TV channels.
With all this being said, it is not surprising at all that coaching the women's team is seen as a punishment, because if we are honest, it is not about women per se, but about the fear of adopting the bad stigmas of the female sex or being marked by them as a man.
written and translated by Michelle Auerbach
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The documentary by Jürgen Schmidt broadcasted on 16th of August 2020 in the Sportschau and can be found in the ARD-Mediathek:
*1 Bildquelle // photo source: photo by DONNA.ISMUS. All rights belong to DONNA.ISMUS's editorial.


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